Die wichtigsten Fakten auf einen Blick:

  • Im Jahr 2023 prüfte Carrosserie HESS AG verschiedene neue computergestützte Engineeringsysteme (CAE-Systeme) auf einen Einsatz im Bereich Elektrotechnik. Dabei schnitt Engineering Base von AUCOTEC am besten ab. 
  • Bereits in der Implementierungsphase waren beide Partner beteiligt: AUCOTEC war für die technische Beratung zuständig, während ROTRING DATA die Datenaufbereitung und Systemintegration übernahm. 
  • Nun kommt Engineering Base bereits produktiv zum Einsatz. Die Vorteile: weniger manueller Aufwand, eine niedrigere Fehlerquote und eine modulare Architektur bei der Elektrotechnik. 

Ein Wegbereiter des öffentlichen Verkehrs

Carrosserie HESS AG produziert gemeinsam mit internationalen Lizenzpartnern über 2.400 Busse pro Jahr, die weltweit zum Einsatz kommen. Mit seinen rund 1.100 Beschäftigten erzielt der führende Schweizer Hersteller von Bussen, Oberleitungsbussen und Nutzfahrzeugen einen Jahresumsatz von 380 Millionen CHF. HESS setzt auf innovative, umweltfreundliche Mobilitätslösungen, insbesondere für den öffentlichen Verkehr. Bei der Planung, Entwicklung und Umsetzung neuer Lösungen spielen Elektrotechnik sowie die im Zuge des Prozesses verwendeten Werkzeuge eine wesentliche Rolle.

„Jede Toollandschaft gelangt irgendwann an ihre Grenzen. Bei uns war dieser Punkt 2023 erreicht. Eine umfassende Evaluierung bildete den ersten Schritt auf dem Weg zur Erneuerung unserer Werkzeuge. Hauptziel war es, die Vorteile einer modernen Engineering-Lösung zu erschließen und die spezifischen Erfordernisse von HESS weiterhin abbilden zu können."

Pascal Ellenberger, Leiter des Bereichs Mechatronik, Carrosserie HESS AG

Ohne Datenbank keine Effizienz

Busse von HESS bestehen in der Regel aus 4.000 bis 8.000 Bauteilen und Komponenten, die durch bis zu 12 km Kabel miteinander verbunden sind. Bis vor kurzem verwendete das zuständige Team ein klassisches, grafikorientiertes ECAD-System, mit dem die spezifischen Anforderungen an die Elektrotechnik bei der Busfertigung flexibel umgesetzt werden konnten. Dieses System brachte jedoch mehrere Nachteile mit sich:

  • Großer manueller Aufwand: Bei jedem Projekt mussten nahezu alle elektrischen Diagramme neu erstellt werden, sodass nur begrenzte Effizienzgewinne möglich waren. 
  • Fehlerquote: Mangelnde synchronisierte Datenbestände und fehlende Prozessautomatisierung führten zu einer höheren Fehlerquote, was wiederum mehr Korrekturen und einen höheren Zeitaufwand zur Folge hatte. 
  • Fehlende Modularität: Ohne zentrale Datenbank war die Darstellung modularer Strukturen, wie z. B. wiederverwendbarer Engineering-Bauteile, nahezu unmöglich. 

Um stetig wachsenden Kundenanforderungen wie dem Trend hin zu einer modularen Architektur in der Elektrotechnik sowie zu zentralisierten Steuerungssystemen bei der Fahrzeugherstellung gerecht zu werden, startete HESS im Hinblick auf die Einführung eines modernen CAE-Systems 2023 einen mehrstufigen Evaluierungsprozess. In der letzten Phase, die Besuche bei Referenzkunden der beiden verbleibenden Anbieter umfasste, setzte sich Engineering Base von AUCOTEC durch.

Nach der Evaluierung folgte eine mehrmonatige Testphase, die von AUCOTECs Schweizer Vertreter, ROTRING DATA, koordiniert wurde. Ziel dieser Proof-of-Concept-Phase (PoC) war es, das Team optimal auf den tatsächlichen Einsatz im Berufsalltag vorzubereiten.

„Die Mobilitätsbranche und insbesondere Bushersteller haben spezifische Anforderungen an Engineering-Tools. Unser Projektteam, AUCOTEC und ROTRING DATA hatten sich schnell auf eine gut koordinierte Zusammenarbeit verständigt. So konnten wir betriebsbedingte Besonderheiten in Engineering Base abbilden und schrittweise zum produktiven Einsatz übergehen."

Pascal Ellenberger, Leiter des Bereichs Mechatronik, Carrosserie HESS AG

Beratung, Integration und Schulung

In der PoC-Phase verwendete das Team von HESS eine von ROTRING DATA bereitgestellte, zeitlich befristete Kabellizenz von Engineering Base. Diese Version eignet sich besonders gut für das Engineering von Sonderfahrzeugen (Planung, Verkabelung usw.). Wesentlich war auch die Prüfung der speziellen Anforderungen von HESS, die ebenfalls in dieser Phase erfolgte.

AUCOTEC und ROTRING DATA betreuten das Team in verschiedenen Aufgabenbereichen:

  • AUCOTEC: Hauptaufgabe von AUCOTEC war die Vermittlung des nötigen Fachwissens für den Einsatz von Engineering Base in der Mobilitätsbranche durch die Bereitstellung programmspezifischer Beratung und Schulungen. 
  • ROTRING DATA: Neben der Projektkoordination war das Unternehmen unter anderem auch für die Datenaufbereitung im Hinblick auf den Import in die Datenbank, die Einrichtung der EDV-Umgebung und die ERP-Integration zuständig. 

Nach der Einführung versuchten die Anwender, bestimmte Herausforderungen anhand ihrer Erfahrungen mit der vorherigen, dokumentenbasierten ECAD-Lösung mithilfe der neuen Software effizienter zu lösen. Dank des objektbasierten Datenbankansatzes erwies sich Engineering Base als äußerst nützliche Kooperationsplattform. Sie vereinfacht nicht nur die Erstellung der Elektrodokumentation, sondern erfüllt auch zentrale betriebliche Erfordernisse wie die Systemintegration (einschließlich ERP) und die Bearbeitung großer Mengen an Bauteilen von Anbietern.

„Was die Toollandschaft angeht, entspricht die Engineering-Umgebung nun unseren Erwartungen. Die neue Lösung brachte nicht nur deutliche Zeiteinsparungen und Qualitätsverbesserungen mit sich, sondern ermöglichte auch Änderungen bei der Organisation – z. B. durch die Einführung des Verantwortungsprinzips bei der Montage, was die neue Modularität widerspiegelt.“

Pascal Ellenberger, Leiter des Bereichs Mechatronik, Carrosserie HESS AG

Eine zukunftsorientierte Arbeitsweise

Mit der Unterstützung von AUCOTEC und ROTRING DATA gelang es dem Team von HESS, die Systemumstellung trotz laufenden Betriebs erfolgreich durchzuführen. Heute verwenden zehn Beschäftigte Engineering Base in der Produktionsumgebung. Dadurch hat sich ihr Berufsalltag in mehrfacher Hinsicht verändert:

  • Arbeitsmethode: Der Fokus liegt nun auf effizientem Engineering mithilfe einer zentralen Datenbank („einmal erstellen, mehrfach verwenden“), statt manuellen, repetitiven Aufgaben. 
  • Qualität: Mit dem neuen Werkzeug gehört die manuelle Datenübertragung der Vergangenheit an. Das spart Zeit und verringert die Fehlerquote. 
  • Architektur: HESS verfügt nun über eine modulare Elektrotechnik-Architektur, die sich durch eine hohe Wiederverwendbarkeit der Engineering-Bauteile auszeichnet. 

Da Engineering Base erst seit kurzer Zeit produktiv verwendet wird, lässt sich der endgültige Nutzen noch nicht eindeutig beziffern. Doch die Rückmeldungen der Beschäftigten machen deutlich, dass sich die Investition in die Umstellung trotz beträchtlicher Kosten gelohnt hat. Wie bei konventionellen Support-Vereinbarungen üblich, gehen AUCOTEC und ROTRING DATA allmählich von einer intensiven Betreuung zu einer punktuellen Unterstützung über.

Durch den Umstieg ist Carrosserie HESS AG heute gut gerüstet, um Innovationen im öffentlichen Verkehrswesen nachhaltig voranzutreiben.